Truchsess & Brandl: Potenzial als Fach- und Führungskraft entfalten

Nicole Truchsess, Markus Brandl

Das Unternehmerehepaar Truchsess & Brandl ist spezialisiert auf Fach- und Führungskräfteentwicklung. Gerade jetzt, zum Ende der Corona-Pandemie, sehen sie großen Nachholbedarf. Sie sind Partner im Jobcoaching Netzwerk von LeySelect.

 

Wann wende ich mich an einen Jobcoach?

Corona hat bei vielen einen Veränderungsprozess ausgelöst, aktuell drängen sich viele Fragen auf: Nutze ich mein Potenzial? Wo sind meine Grenzen? Steht die Karriereleiter an der richtigen Stelle?

Der Wunsch nach dem nächsten Karriereschritt löst jedoch auch Ängste und Bedenken aus: Welche Skills fehlen mir, um meine neue Aufgabe von Anfang an möglichst gut zu erfüllen? An diesem Punkt ist die Unterstützung eines Jobcoaches wichtig, sie gibt Orientierung, schafft Sicherheit und Rückhalt und verändert den Blick auf neue Möglichkeiten.

 

Wie lange gibt es professionelles Job-Coaching? Und warum ist es sinnvoll, Führungskräfte auf neue Aufgaben vorzubereiten?

Mit etwas Glück gab es früher Mentoren, also persönliche Förderer im Unternehmen, die ihre eigenen Erfahrungen mit neuen Führungskräften teilten.

Noch immer hat die Weiterentwicklung von Fach- und Führungskräften in Unternehmen hierzulande nicht den richtigen Stellenwert: Wie beispielsweise in skandinavischen Ländern üblich, sollten potenzielle Führungskräfte vorab geschult werden, damit sie ihre Kompetenzen nicht erst im laufenden Prozess entwickeln. „Learning by doing“ ist mühsam und liefert in der Regel keine guten Ergebnisse.

 

Während es vor 20 Jahren nur wenige Dutzend Job- und Karrierecoaches gab, ist das Angebot inzwischen riesengroß. Was ist bei der Auswahl eines Coaches zu beachten, was empfehlen Sie?

Der Sympathiefaktor spielt stets eine große Rolle. Doch so sehr das Bauchgefühl stimmen mag, unbedingt auch auf fachliche Eckpunkte, wie Ausbildung, berufliche Erfahrungen, Referenzen, achten. Denn neurowissenschaftlich ist es erwiesen, dass der Coachee erst nach einem halben Jahr feststellen kann, ob ihn der Coach tatsächlich weiterbringt.


Sollte ein Coach aus dem eigenen Branchenumfeld kommen?

Wenn es um die eigene Persönlichkeitsentwicklung geht, ist die Branchenkenntnis des Coachs nicht wichtig.

Häufig geht es bei einem Business Coaching jedoch auch darum, für den Kandidaten Verbindungen zu schaffen und mit ihm berufliche Chancen auszuloten. Dann ist es sinnvoll, dass der Coach in der Branche vernetzt ist und nachhaltige Empfehlungen aussprechen kann.

 

Was hat sich seit Corona geändert?

Der Kandidatenmarkt befindet sich in einem starken Umbruch. Jeder zweite Arbeitnehmer denkt darüber nach, den Job zu wechseln. Viele Unternehmen haben es in der Corona-Krise leider versäumt, ihre Teams zu begleiten, sie zu unterstützen und sie an sich zu binden. Der Fokus lag auf Sales und das rächt sich jetzt.


Die Wirtschaft zieht wieder an, die Unternehmen suchen händeringend Arbeits- und Fachkräfte. Was ist zu tun?

Den Mehrwert einer lebenslangen Begleitung von Kandidaten und Mitarbeitern haben bisher weder die HR-Abteilungen, noch die Zeitarbeitsunternehmen, noch die Headhunter begriffen und daher auch nicht im Griff.  Ihnen geht es um den schnellen Bedarf und den schnellen Umsatz bzw. die schnelle Einstellung. Mit Kandidaten, die evtl. nur zu 40 oder 50 Prozent passen, wird keine Verbindung aufrechterhalten. Doch ein Netzwerk baut sich nicht in fünf Minuten auf.

Deshalb bleiben die Chancen in dieser Umbruchzeit oft ungenutzt.

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