Deutscher Mittelstand, quo vadis?

Der deutsche Mittelstand ist unter Druck. Und das ausgerechnet in einer Phase hoher Nachfrage bei vielen Unsicherheiten als Folge von Krieg und Krisen. Durch die Null-Covid-Strategie Chinas ist der globale Warenhandel weiterhin schwierig: Die daraus resultierenden logistischen Hürden im Schiffsverkehr und bei Transportunternehmen sind noch immer unkalkulierbar.

Die Folgen des Ukraine-Krieges sind für den Mittelstand vor allem indirekt spürbar. Laut einer Umfrage der DZ Bank sind es weniger die direkten Handelsbeziehungen, die belasten, sondern der rapide Anstieg der Rohstoffpreise plus die Sorge vor Lieferausfällen bei Erdgas-, Öl- und Kohleeinfuhren. Dies gilt auch für die deutlich gestiegenen Kosten für Vorprodukte. Zudem drücken die gestiegenen Einkaufspreise auf die Marge, geben zwei Drittel der Umfrageteilnehmer an. Mehr als die Hälfte der Firmen versuchen deshalb Materialvorräte anzuhäufen.

Welche Einflüsse dies alles auf das Auslandsgeschäft hat, wagen nicht mal die Analysten zu prognostizieren. Zu viele unsichere Einflussfaktoren seien aktuell davon abhängig: Wie lange bleiben die Lieferketten gestört? Werden weitere Sanktionen aufgrund des Ukraine-Krieges verhängt? All das drückt auf die Stimmung im Mittelstand und stellt ihn vor große Herausforderungen.

Mittelstand versus Großunternehmen

Besonders betroffen von diesen Entwicklungen sind die Baubranche, Industriebetriebe und der Einzelhandel. Zunehmend können Liefertermine nicht eingehalten werden oder Aufträge werden sogar abgelehnt. Das liegt nicht allein an der weltpolitischen Krisenstimmung: 44 Prozent aller Unternehmen sehen ihre Geschäftstätigkeit vor allem durch den Arbeits- und Fachkräftemangel behindert. Laut KfW-ifo-Fachkräftebarometer sind davon längst alle Wirtschaftsbereiche betroffen. Trauriger Höhepunkt: Im Verarbeitenden Gewerbe sind es sogar rund 40 Prozent, das ist so hoch wie nie zuvor in den letzten 30 Jahren.

Die Agentur für Arbeit nennt den Grund dieser alarmierenden Entwicklung. Die Studie „Die Wanderung der Arbeitnehmer“, veröffentlicht von The Pioneer, beschäftigt sich mit der „Wanderung der Arbeitnehmer“. Demnach haben in den letzten beiden Jahren 145.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte das verarbeitende Gewerbe verlassen. Im Vergleich: In der Dienstleistungsbranche war es ein Minus von 50.000, das Gastgewerbe verlor 35.000 Mitarbeitende.

Wohin sind die Arbeitnehmer gewandert, wo sind sie beschäftigt? Laut Agentur für Arbeit zählt das Gesundheitswesen ein Mitarbeiterzuwachs von 123.000 Personen, die Öffentlichen Verwaltungen (+121.000) und IT-Branche (+106.000), in der Logistik sind es plus 60.000.

Mittelstand versus Großunternehmen

Ganz anders schaut es dagegen bei Großunternehmen aus: Sie blicken deutlich zuversichtlicher in die Zukunft. 80 Prozent von ihnen haben seit Ausbruch des Ukraine-Krieges keine Umsatzverluste verbucht. Eine Studie der Wirtschaftskanzlei Allen & Overy  kommt zu dem Ergebnis, dass drei Viertel von ihnen für 2022 mit gleichbleibenden oder gar steigenden Umsätzen rechnen. Überdies sei die Stimmung mehrheitlich positiv. Für die Analysten von Allen & Overy ist das ein Indiz dafür, dass viele Unternehmen haben in den letzten Jahren erfolgreich gelernt, mit Krisen umzugehen.

Fazit: Lösungen für den Mittelstand

Damit das auch für mittelständische Unternehmen gilt, braucht es dringend sinnvolle Konzepte, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen, sonst kommt der Mittelstand noch stärker in die Bredouille.

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